Nullacht wählt neuen Vorstand
Nach Jahren der Unruhe scheint das Feld beim SC Münster 08 wieder dafür bestellt zu sein, sich wirklich dem Sport und seiner Entwicklung widmen zu können. Der auf der Jahreshauptversammlung beschlossene Führungswechsel soll als personelle Zäsur dafür Sinnbild sein.
Mit Georg Nüsse tritt ein altbekannter neuer Vorsitzender an, der auf Teamwork großen Wert legt und gewissenhafte Mitstreiter an seiner Seite weiß.
Wieder fünfköpfig stellt sich ein in Teilen neuer Vorstand. Mit dem 61 Jahre alten Nüsse wurde ein neuer Vorsitzender gewählt, der sechste erst für Nullacht seit 1945. Frank Walbaum, seit 2005 an der Spitze, kandidierte nicht mehr. „08 zu führen heißt, es voll und ganz zu machen. Das kann ich nicht mehr. Ich gehe nicht im Groll, ich bleibe dem Verein treu.“
Der im Klub populäre Nüsse war seit 2008 als 2. Vorsitzender aktiv und nun tritt mit einer Mannschaft seines Vertrauens an. Nüsse ist seit 1959 Vereinsmitglied und an Münsters Friedensschule als Oberstudienrat für Englisch und Sport tätig. Er sieht sich in der Rolle der integrierenden Kraft, die zwischen den Abteilungen vermitteln kann. Der frühere Fußballspieler der Nullachter entdeckte irgendwann seine Liebe zum Badmintonsport, der im Klub etabliert ist.
Als 2. Vorsitzende wiedergewählt wurde Rechtanwalt Wolfgang Mehnert. Ebenfalls 2. Vorsitzender wurde mit Bankkaufmann Thomas Bähr der bisherige Kassierer, der sich künftig in der Funktion des Schatzmeisters sieht. Neuer Kassierer wurde der zur Badmintonabteilung gehörende Thorsten Webering (33). Mit Elena Werschbizky (44) rückt wieder eine Frau in die Riege als Schriftführerin. Ihr Bezug zum Verein entstand durch den Fußball spielenden Sohnemann.
63 abstimmungsberechtigte Mitglieder kamen zum Treffen und wurden von Mehnert und Bähr ausführlich über deren „Aufräumarbeiten“ der letzten Jahre informiert. Internen Streit und Rechtsverfahren eines ehemaligen Vorstandsmitglieds hat 08 inzwischen überstanden, eine wenig sorgfältige Kassenführung brockte dem Klub in den Jahren 2006 und 2007 jeweils ein Minus ein. Zur Aufarbeitung der Schieflage nahm sich Bähr irgendwann eine Woche Urlaub und durchleuchtete darin alles Zweifelhafte.
Auch „das eigene Abrechnungssystem von Hubert Fuchs“, so erklärte Mehnert zur Trennung des Sportleiters Anfang 2010, habe Probleme verursacht. Überraschende Abgabeforderungen seitens der Stadt stürzten Mehnert und Bähr dann in neues Nachdenken – wieder gab es Gespräche und Verhandlungen. Das letzte Geschäftsjahr mit einem Etat von 221.000 Euro wies dann erstmals wieder eine nachvollziehbare Tendenz auf.
Nüsse lobte den Weg der „Konsolidierung“ und ist nun sicher, geordnete Verhältnisse vorzufinden. Sonst hätte er, der zum anwesenden 103 Jahre alten Ehrenmitglied Prof. Dr. Alfred Koch
einen besonders guten Kontakt hält und sich mit ihm gerne bespricht, den Job nicht übernommen.
Der Ende 2010 genau 975 Mitglieder starke Verein vom Kanal wird stark vom Fußballbereich geprägt, dessen Mitglieder 65 Prozent im Verein ausmachen. Von 635 Kickern sind 500 als Junioren am Ball. Die Badmintonabteilung, der Georg Nüsse lange angehörte, macht mit 133 Mitgliedern 14 Prozent aus, dann kommen schon die Handballer mit 98 Mitgliedern (10 Prozent) bei einem Zuwachs von 21 Aktiven seit Dezember 2007.
Dass der Klub die Ende Dezember eingestürzte alte 08-Halle nicht mehr nutzen kann, haben wir berichtet. Die Stadt Münster will nach erfolgtem Ratsbeschluss das 1958 errichtete und jetzt nicht mehr zu rettende Gebäude für 40.000 Euro abreißen lassen. Ob an dem Platz jemals eine neue Halle stehen wird, ist offen.
Thomas Austermann, Echo Münster